ZYSTEN AM EIERSTOCK


Die meisten Zysten am Eierstock (Ovarialzysten) sind so genannte funktionelle Zysten. Funktionelle Zysten können infolge der normalen, hormonell bedingten, zyklischen Veränderungen am Eierstock entstehen. Gelegentlich treten sie aber auch wegen eines gestörten Hormonhaushalts oder in Folge einer Hormontherapie auf. Funktionelle Zysten findet man praktisch nur bei der geschlechtsreifen Frau vor den Wechseljahren.

Funktionelle Ovarialzysten teilt man ein in Follikelzysten (entstehen aus Eibläschen), Corpus-luteum-Zysten (entstehen aus dem Gelbkörper nach dem Eisprung) und Luteinzysten (zahlreiche Zysten an beiden Ovarien z. B. in Folge einer Hormonbehandlung). Allen diesen Zysten ist eins gemeinsam: sie bilden sich meist von selbst zurück und bedürfen bei Beschwerdefreiheit keiner Therapie.

Die Polyzystischen Ovarien sind eine Sonderform der funktionellen Zysten, sie sind ein eigenständiges Krankheitsbild, das in der Regel mit einer zusätzlichen Hormonstörung einhergeht, man spricht dann vom so genannten PCO-Syndrom. An den Eierstöcken finden sich zahlreiche kleine, meist randständige Zystchen. Diese Krankheit, obwohl gutartig, ist deshalb besonders unangenehm, weil sie erstens unglaublich häufig ist (4-12 % der Frauen im gebärfähigen Alter) und außerdem oft zu Unfruchtbarkeit und Gewichtszunahme mit entsprechenden Folgen (Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen) führt.

Die Behandlung richtet sich danach, ob Kinderwunsch besteht oder nicht. Im ersten Fall führen Stimulationsbehandlungen der Eierstöcke mit bestimmten Medikamenten (Metformin, Clomifen, LH, FSH) oder operative Eingriffe an den Eierstöcken (Laserhatching) oft zum gewünschten Erfolg. Im zweiten Fall werden so genannte antiandrogene Pillen gegeben, um die Überproduktion männlicher Hormone am Eierstock zu unterbinden.

Besonders wichtig für alle PCO-Patientinnen ist die bewusste Ernährung und Gewichtsoptimierung sowie regelmäßige sportliche Betätigung.

Ein weiteres eigenständiges Krankheitsbild, welches zu Zystenbildung am Eierstock führen kann, ist die so genannte Endometriose (siehe Kapitel Endometriose). Endometriosezysten haben ein charakteristisches Aussehen. Sie enthalten schokoladenfarbig eingedickte Blutabbauprodukte und werden deshalb auch als Schokoladenzysten bezeichnet. Therapie siehe Kapitel Endometriose.

Retentionszysten entstehen durch Sekretverhalt von Drüsen. Sie sind harmlos, nicht hormonaktiv und bedürfen bei Beschwerdefreiheit keiner Behandlung. Da sie aber oft sehr lange bestehen bleiben, ohne eine Rückbildungstendenz zu zeigen, können sie Patientin und Behandler verunsichern und zu mehrfachen Ultraschallkontrollen Anlass geben.

Dermoidzysten sind primär gutartige Veränderungen und können einen Durchmesser von bis zu 25 cm erreichen. Am häufigsten treten sie bei Mädchen vor Erreichen der Pubertät und jungen Frauen auf. Eine Entartung in einen bösartigen Tumor tritt in ein bis zwei Prozent der Fälle ein, hauptsächlich bei Frauen über 40 Jahre. Aus diesem Grund sollten Dermoidzysten immer, in der Regel per Bauchspiegelung, entfernt und einer feingeweblichen Untersuchung zugeführt werden.

Unsere modernen Ultraschallgeräte können bereits wenige Millimeter große zystische Veränderungen am Eierstock erkennen. In den allermeisten Fällen handelt es sich dabei um vorübergehende, harmlose Befunde, die nicht operiert werden müssen.

Ein Grund zur operativen Abklärung besteht immer bei starken oder anhaltenden Bauchschmerzen, bei akuten Komplikationen (z.B. Stieldrehung = Verdrehung der Zyste im Bauch mit Abschnürung der Blutzufuhr, eher selten), bei Verdacht auf Bösartigkeit (z. B. bei Dermoidzysten oder wenn eine Zyste nach dem Wechsel neu entsteht) und bei Kinderwunsch im Falle von PCO oder Endometriosezysten.

Abhängig vom Größe und Erscheinungsbild der Zyste im Ultraschallbefund, dem Alter und dem Beschwerdebild der Patientin müssen also unterschiedliche Therapieentscheidungen getroffen werden. Diese können von der bloßen Beobachtung über mehrere Zyklen bis hin zur sofortigen operativen Intervention reichen.

Durch eine sorgfältige klinische Untersuchung verbunden mit Ultraschalldiagnostik und ggf. Ultraschall-Doppleruntersuchung der Zyste kann durch unsere klinische Erfahrung meist die richtige Einschätzung der Situation getroffen werden. Unser Ziel ist es dabei, sie optimal zu beraten und unnötige operative Interventionen zu vermeiden.